Helen Meier

 

Helen Meier (1929–2021) war nach dem Besuch des Lehrerinnen- und Lehrerseminars Rorschach einige Jahre als Primarlehrerein tätig. Es folgten Auslandaufenthalte und Sprach- und Pädagogikstudien an der Universität Fribourg sowie ein Einsatz bei der Flüchtlingshilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes. Nach mehreren Jahren als Sonderschullehrerin in Heiden lebte sie von 1987 bis zu ihrem Tod als freie Schriftstellerin in Trogen. 

Kontext


Die Erzählung «Lichtempfindlich», welcher der Text entstammt, ist Teil des Erstlings von Helen Meier, des Geschichtenbands «Trockenwiese». Die Erzählung wurde 1984 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt prämiert. Sie enthält die Beziehungsgeschichte zwischen einer namenlosen Sonderschullehrerin und dem in sie verliebten, physisch und geistig beeinträchtigten Schüler Michael. Der Junge wirbt um die Lehrerin, bedrängt sie und später auch ihren Geliebten. Als der Geliebte Michael bei der Polizei anzeigt, weil dieser sein Auto beschädigt hat, trennt sich die Lehrerin von ihm und stellt sich auf die Seite des Schülers.

 

Text

 

 (…) Ich will zum Bauer, schrie er aus seinem Zimmer, die Mutter sagte nein, mach deine Leseaufgabe, der Knabe warf den Hocker an die Wand. Die Mutter kam herein, schüttelte ihn, schlug ihn, der Knabe brüllte, er wälzte sich am Boden, polterte mit den Füssen an die Wand. Dann setzte er sich an den Tisch. Er sah das Gewirr der Buchstaben, nach links, nach unten, quer, schräg, die runden, geschweiften, offenen Bogen, sein Gehirn tastete die Formen ab, suchten den Ton, durch eine verstopfte Röhre wand sich der Laut zu seinem Mund, rutschte von den steifen Lippen, der schweren Zunge in den Rachen, der sich zusammenkrampfte, als begännen entzündete Schleimhäute zähen Schleim abzusondern. Er schneuzte sich, hustete. Lies laut, rief die Mutter aus dem Nebenzimmer, der Knabe versuchte die Laute aneinanderzuhängen, sie waren sperrige Klötze.

(…) 

Ich sitze Ihnen gegenüber, so sehe ich Sie besser, sagte der Knabe zur Lehrerin, die mit der Gruppe der Lernbehinderten zum Skifahren fuhr. So eine schöne Kappe haben Sie, so weiche feine Härchen. Jetzt fahre ich immer hinter Ihnen, und Pumuckel sage ich Ihnen. Und dann fahren Sie immer hinter mir her, und wenn Sie stürzen, helfe ich Ihnen auf. Wo ist Isabell, sagte die Lehrerin. Isabell ist nicht mehr da, wer hat Isabell gesehen. Isabell trägt eine rotblauweissgestreifte Mütze, eine rote Jacke und hellblaue Hosen, nein, dunkelblaue, sagten die Mädchen, die Knaben sagten, einen Plüschbären hat sie an den Skistock gebunden, das dumme Weib, und fahren kann sie auch nicht. Die Lehrerin schickt die Kinder im Postauto allein ins Dorf hinunter, du fährst jetzt auch zurück, sagt die Lehrerin. Nein, sagt der Knabe, ich helfe Ihnen suchen. Nein, du gehst, es wird Zeit, dass du heimkommst, nein, sagt der Knabe, niemand ist daheim, nur die blöden Schwestern. Du fährst, nein, zwei können besser suchen, dann gehst du zuerst in die Wirtschaft und telephonierst, weisst du die Nummer, klar, sagt der Knabe. Er nimmt ihre Hand, er drückt sie fest und fester, hör auf, sagt sie, du zerquetschst mir die Finger, er reicht ihr bis zum halben Oberarm. Die Lehrerin und der Knabe fahren noch einmal mit dem Lift zur Bergstation, Michael lacht, aufgeräumt zeigt er seine starken, etwas unregelmäßigen Zähne. Sie müssen keine Angst haben, sagt er, das dumme Weib finden wir schon wieder, sonst gehen wir an ihre Beerdigung und singen ein Lied. Sie fahren gesondert die beiden breitgewalzten Abfahrten hinunter, bleiben stehen, rufen. Die Lehrerin hört Michaels Rufe vom entfernten Hang herüberschallen, als rufe ein einsamer Geisshirt, liebevoll, verärgert, lockend, beschwörend, zuletzt jauchzend, den Anlass seines Rufens längst vergessen. In diesem lauten Ausströmen der Luft aus der Kehle, in die flügelhaften Laute sich werfend, sich wiederfindend, als ein sonderbar Gestärkter. Wie die Lehrerin unten ankommt, winkt Michael ungestüm mit den Skistöcken. Die Pistenwache erreicht die Station, ein kleines Mädchen hätte man bestimmt gesehen. Wenn sie dort oben, wo der Hang sich verzweigt, ins Wäldchen hinuntergefahren wäre, mit ihrer breitbeinigen Fahrweise, unfähig anzuhalten, einmal in Fahrt geraten, die Arme fuchtelnd, das Gesäß nach hinten gestreckt, die Beine steif verkrampft? Völlig ungefährlich dort oben, keine Felsen, sie kann höchstens in einen Stamm hineingefahren sein. Nicht die, sagt Michael, die hat Angst allein im Wald, auf der Schulreise hat sie doch geschrien wie ein Schwein. Ich habe immer gesagt, bleibt in der Gruppe zusammen, aber es wurde halt wieder einmal nicht gehorcht, sie versucht, Angst und Ärger aus der Stimme zu halten, Michael meint, dass wir froh seien, wenn diese Gans nächstes Jahr fortkomme. Es dämmert. Der Pistenwart anerbietet sich, das Liftchen noch einmal fahren zu lassen, zum Wäldchen hinauf. Sie fahren. Sie stapfen durch das Gehölz. Hier,sehen Sie, sagt der Knabe, eine Rehspur, zu uns kommen sie bis in den Garten und fressen die Rosenstöcke ab. Dabei meint man immer, diese kleinen Kinderhügel seien ungefährlich und es könne nichts passieren, sagt die Lehrerin. Die ist sicher heimgegangen, sagt Michael. Sie ist daheim, ruft die Lehrerin, den Hörer in der Hand, aus dem Bretterhäuschen, sehen Sie, sagt der Knabe, manche Weiber sind dumm, ja, antwortet sie, sie sitzt beim Nachtessen und wir frieren uns hier die Füße ab, komm. Der Knabe hakt seinen Arm in den ihren, schiebt die Mütze zurecht und blinzelt schräg zu ihr hinauf. Er müsse noch die Kaninchen füttern und beim Abendgottesdienst Altardienen. Das alles noch heute, sagt die Lehrerin, sich plötzlich erschlafft fühlend. Ja, ja, sagt der Knabe, du bist sehr kräftig, meint sie, das mach ich gern, sagt er, bald hatte er Junge, ob sie eines wolle, nein, sagt die Lehrerin, aber danke für deine Hilfe, schon recht, meint er.

Beim Altardienen, was musst du machen? Die Hostien bereitlegen, das Altargewand aus dem Kasten holen, ihm beim Ankleiden helfen, das Weihrauchfass einfüllen, die Krüglein, die Kissen bereitlegen. Weißt du, wie gerne ich als Kind Altardiener geworden wäre? Das durften nur die Buben werden.

(…)

Was lernst du im Religionsunterricht? Ja, das ist schwer, ich kann nicht lesen, was der Pfarrer austeilt, aber er erzählt mir's. Was ist ein Symbol? Ja, das ist schwer, sagt die Lehrerin, wart einmal, wenn die Schwestern mit dir streiten, du reißt ihnen Haare aus, nachher schenkst du ihnen deine Schokolade, so ist das ein Symbol dafür, dass du sie wieder magst. Die mögen mich nicht, sie sagen, sie müssten sich schämen mit mir, denen schenk ich keine Schokolade, die sind zu dick und lachen immer so blöd. 

(…)

Wo ist Michael, sagte die Lehrerin, ach der, sagten die Kinder, der hat photographiert, der weiß den Weg. Sie war mit der Klasse am Erdkrötenweiher gewesen, der braune Tümpel voll von zappelnden, plumpsenden, aufeinanderhockenden, zu Haufen aufeinanderhüpfenden Tieren, aus Erdlöchern gekrochen, der Feuchtigkeit zustrebend, die sich am Drahtgitter abmühten, an der Böschung rückwärtsfielen, zwischen dem abgestandenen Gras verschwanden. Aus dem Wasser stiegen schmatzende Blasen, In der Luft das stete Quaken. Die Buben schoben den Mädchen die Kröten unter die Nackenhaare, die Feinen kreischten und sprangen über die entrindeten Stämme, erdverkrustet aufgestapelt, vor den weiten Lücken des mager gewordenen dürren Waldes. Es war ihr recht gewesen, dass der Knabe sich bei den Nachzüglern aufgehalten hatte, nicht stets an ihre Oberschenkel puffte, der lästige Kerl, dort wo die Schlenderer waren, die Händel anzettelten, rauften, ab und zu im Unterholz verschwanden, die, welche den Mädchen in die Hinterbacken kniffen, Tannzapfen in die Blusen warfen, bei ihnen waren auch die Mädchen, die sich entrüsteten, keiften und das alles gernhatten. Die Lehrerin machte sich auf den Weg nach dem Weiher, um Michael zu suchen. 

(…) 

Der Knabe sitzt auf dem Rand des Schweinetrogs mit übereinandergeschlagenen Beinen, den Kopf auf einen Arm gestützt, er schaut schräg zu ihr hinauf, grinst. Es gibt nur mehr Hunde und Katzen auf der Welt, sagt sie. Sie reisst seine Mütze weg, greift in das Gestrüpp seines Haares und gibt ihm eine Ohrfeige. Der Knabe krümmt sich, streicht mit der flachen Hand über die Wange. Entschuldigung, sagt sie, aber kann man euch denn nie allein lassen. Ich wollte nur schauen, ob Sie mich suchen kommen. Ja natürlich, alle muss ich suchen, jedem muss ich nachspringen. Ja, sagt der Knabe, ich wollte schauen, ob Sie mir auch nachspringen.

Nach dem Elternbesuch meinte die Lehrerin, dass Michael jetzt einmal vernünftig sein und sich seinem Alter entsprechend verhalten solle, warum er seinen Schwestern die Bücher verstecke, ihnen Würmer ins Bett lege, warum er so kindisch täte und mit den Füßen an die Wand schlage, also, wie alt er jetzt sei, und dass ein bald Zwölfjähriger nicht mehr solche Sachen mache. Wie alt sind Sie, Pumuckel? Ich verbiete dir, mir Pumuckel zu sagen, ich bin viel älter als du, ich könnte deine Großmutter sein. Nein, sagte der Knabe, das glaub ich nicht, eine Großmutter gibt keine Schule, ich weiß, wie alt Sie sind, siebzehn. Was hast du da wieder gemacht, sie nahm seine Hand, strich ihm über den Handrücken, verweilte beim Heftpflaster. Wir haben einen jungen Hund, der ist verrückt, sagte der Knabe. So, sagte die Lehrerin, ich habe keinen Hund gesehen, also, wenn der junge Hund älter wird, braucht er Fleisch, lass uns rechnen. Der Knabe benetzte die schnell tupfenden Finger mit der Zunge und zählte. Wenn ich die Finger in den Mund nehmen müsste, würde ich sie zuerst waschen. Ich habe sie gewaschen, schrie der Knabe, er schmetterte die Schulzimmertüre zu, gab ihr einen Fußtritt. Fußtritte ergäben Strafaufgabe, meinte die Lehrerin, Pech für die Schweiz, sagte der Knabe. 

(…)

Hör einmal auf und schlaf, ruft die Mutter. Der Knabe versucht sich ruhig zu halten, stochert mit den Füßen im Deckbett, zerknüllt die Kissenzipfel. Er steckt den Daumen in den Mund, schläft ein. Ein Wind trägt ihn lautlos über eine kahle nächtliche Landschaft er gleitet hoch als Segler über rötliche Felsen, an denen Blitzlichter zucken, fern am Himmel glänzt ein Lichtstreifen, als gehe dort die Sonne auf. Es ist der wortferne, unverstandene Traum altersloser Seele, unscheinbare Saat im Boden liegend. Der Wecker pummert an sein Ohr. Er steht leise auf, zieht die Pijamahosen hoch, greift nach der Taschenlampe, tastet sich zur Tür. Mit den Zehen stößt er ans Treppengeländer, er horcht. Die Stufen quietschen nicht, er stolpert nicht, er ist behend, in der Turnstunde, sagt die Lehrerin, bist du schnell wie ein Wiesel. Also wieselig schlüpft er ins Wohnzimmer, zur Wohnwand, nimmt die Kamera. Er kennt sich aus, selbst bei der modernsten Ausgabe, die der Vater hat, du verstehst zwar nichts davon, sagt er, aber schau, das ist die X 500 mit Zeitautomatik, Sucher mit Belichtungsinformation. Der Knabe reißt den Film heraus, er nimmt sich nicht mehr vor Geräuschen in Acht. Langsam zieht er den Streifen unter dem Glas der brennenden Taschenlampe über seinen zitternden Oberschenkel. Der Film kringelt sich zu seinen Füßen, der Lichtschein fährt an die Decke. Er versucht ihn aufzurollen, verhaspelt sich, wird ungeduldig, er stampft auf dem Ding herum, es lässt sich nicht zerstampfen. Er geht achtlos in sein Zimmer zurück und wirft den Kunststoff unter sein Bett. Was ist, ruft die Mutter mit Schlafstimme, ich hab den Scheißer, sagt der Knabe, wie redest du wieder, sagt die Mutter. Er hört sie aufstehen, in den Gang gehen, dann den Schalter der Nachttischlampe. 

Hör mir gut zu, sagte die Lehrerin, spitz deine Ohren und lies mir's nach: Die Sonne geht im Osten auf und im Westen geht sie unter, im Osten liegt Weissenbach und im Westen liegt Ochsensenrüti, die O und die W musst du gut aussprechen. Sauhund, sagte das Mädchen, was ist, sie formte ihren kleinen Zeigefinger und noch kleineren Daumen zu einem Ring und fuhr schnell mit dem gestreckten Finger der andern Hand in den Ring hinein und heraus, so macht Michael, sagte das Mädchen, du spinnst, du hast wohl einen Vogel, sagte der Knabe. In Sommernächten, da geht vieles vor, die Menschen wollen kaum zu Bett, Vorhänge wehen, wer will da schlafen, wenn auf den Straßen gejohlt wird, die Motorräder heulen, die Stillen in den Gärten sind, Heugerüche schnaufen, im Dunkeln sitzen, wer sich erst ans Dunkel gewöhnt hat, sieht allerlei. Der junge Mann streichelt die Brüste der Frau, sie sitzt zwischen den gespreizten Beinen des Mannes, er hält sie von hinten, die warme Nachtluft liegt wie Balsam auf der sonnenverbrannten Haut. Still, flüstert der Mann, man ist nie allein, selbst in deinem Garten nicht. Bleib, flüstert die Frau, niemand ist hier, nur du und deine Hände, die mich wahnsinnig machen. Die Frau hört das Knacken der Äste, das Knicken des hohen Grases unter den Füssen des jungen Mannes. Der verdammte Schlingel streicht um dein Haus, er ist im Wäldchen heruntergekrochen, sagt er, ich hab ihn nicht mehr erwischt.

(…)

Von oben, dort, wo die Geröllhalde endet, in felsige Schründe übergeht, poltern Steine herunter, gehen in Sprünge über, nicht sehr große Steine, aber genügend grosse, der Mann, mit einem Satz ist er hinter einem Felsblock, die Frau duckt sich, legt die gekreuzten Arme über den Kopf, die Steine schlagen weit an ihnen vorbei, landen bei den rieselnden Tannen. Unvorsichtige Berggänger, meint die Frau, komm, wir kehren um. Weiss der Teufel, nein, meint der Mann, ich geh nach oben und sehe, ob ich diesen Kerl erwische. Diesem kleinen Verrückten muss man das Handwerk legen. Nein, sagt die Frau, er ist ja noch ein Kind. Außerdem hast du keine Beweise, ich werde mit ihm reden.

Die Lehrerin fand einen Zettel auf ihrem Pult. Si sint so schöhn, Sie habn schöne Hare, si habn auch aine Maus-schtime, wen Sie schterbn mus Ich auch schterben. Michael, sagte sie, wir müssen die Rechtschreibung üben, du machst zu viele Fehler, man sagt scht aber geschrieben wird st, warum vergisst du es immer wieder. Ja, sagte der Knabe, Schreiben ist schwer. Nicht so schwer, dass du, wir's nicht lernen könnten. Anderes kannst du auch, zum Beispiel Steine werfen oder nachts um Häuser schleichen wie ein Marder. Du hast sicher noch nie einen Marder gesehen, die heutigen Kinder sehen ja keine Wildtiere mehr. Doch, sagte der Knabe erleichtert, beim Bauern waren einmal ein paar auf der Oberdiele, die lärmten nachts.

 (…)

Nicht nur, dass Menschen im Herbst unaufmerksamer sind als zu anderen Zeiten, träumerischer, von Blätterfall, Raschelwinden, schrägem Licht zerstreut und abgelenkt. Die Hauswarte können nicht überall sein, mit Wischen beschäftigt auf den Betonwegen. Das Wegfahren und Heranfahren der Autos wird beobachtet. Der junge Mann findet Kratzer an seinem Fahrzeug, irgendwelche Buchstaben sind eingeritzt, mit einem Nagel und mit grösster Kraft. Der Kratzer muss gestört worden sein, die Buchstabenreihe ergibt kaum Sinn. Der Mann folgert richtig, legt sich seinerseits auf die Lauer und lässt den Knaben sein Werk vollenden. Waldmörder steht schief verwackelt, quer über die linke Seite des wachsgepflegten, gestreichelten, oft beschauten Blechs.

Ohne einen Schreibfehler, meinte der Polizist, ihr lernt einiges in der Sonderklasse, aber das hat Konsequenzen. Ich hätte mit ihm geredet, sagte die Lehrerin, er ist doch noch ein Kind. Was, ein Kind, sagte der junge Mann, dem nützt dein Reden nichts.

Was reden wir denn noch miteinander, sagte die Frau am Schluss. Es kann auch etwas ganz anderes gewesen sein, Gröberes, Unflätigeres, was die beiden noch zueinander sagten. Was fällt, mag lange gewackelt haben, was gespielt hat, hört auf zu spielen, der Anlass ein Knabe, ein Auto, ein Lachen oder einfach ein Wort.

Siehst du, sagte die Frau, der unbefangene Genuss der Natur ist ein für alle Mal vorbei, man weiss nie, sind die Bäume schon am Gehen oder sind sie noch da. Kommen Sie, wir machen ein Photo. Sie stellen sich hier an den Waldrand. Der Knabe rannte zur Frau zurück, drückte sich an ihre Seite. Die Frau legte den Arm um seine Schultern, sie sahen einander an. Die Frau versuchte ihr Lachen ein wenig zurückzuhalten, der Knabe lachte mit offenem Mund.

Meier 1984 (Nachdruck), 76-87



Fragen zur Diskussion

1. Welche Merkmale kennzeichnen die Aussenseitersituation des Sonderschülers Michael? 

2. Am Schluss der Erzählung steht eine Selfie-Fotografie, auf der sowohl die Lehrerin als auch ihr zwölfjähriger Sonderschüler Michael lächeln bzw. lachen: Wie entwickelt sich das Verhältnis der beiden im Textausschnitt auf professioneller und persönlicher Ebene auf dieses Ende hin? 

3. Inwiefern steht die Trennung vom Freund in einem Zusammenhang mit der Beziehung der Lehrerin zu Michael? 

4. Wie lässt sich der Titel der Erzählung verstehen? 

5. Wie lässt sich die besondere Erzählperspektive in diesem Textausschnitt beschreiben?

6. In welchen Handlungsfeldern gemäss dem Referenzrahmen der PH Luzern ist das Textgeschehen vor allem angesiedelt? 

7. Bitte nennen Sie eine bis drei Professionskompetenzen aus dem Referenzrahmen der PH Luzern, die in diesem Textausschnitt besonders zum Tragen kommen (mit Mentimeter). 

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